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Das Feuer der Raucher

Kommentar von Jean-Martin Büttner im Tages-Anzeiger vom 19.10.2004

Quelle: www.tages-anzeiger.ch

Die kuriose Überzeugung einer Minderheit, sie habe gewissermassen ein verbrieftes Recht darauf, andere Leuten mit ihrer Sucht zu belästigen, wird immer stärker hinterfragt. Endlich beginnt man auch in der Schweiz, die Gesundheit der grossen Mehrheit ernst zu nehmen. Aufgeschreckt von immer dramatischeren Studien, welche die Schäden durch Passivrauchen belegen, werden öffentliche Rauchverbote ausgesprochen. Die Genfer Universität, der Zürcher Hauptbahnhof, der Kanton Tessin und andere haben entsprechende Weisungen beschlossen, eingeleitet oder partiell eingeführt.

Das ist gut so. Es ist sogar überfällig. Es müsste eigentlich selbstverständlich sein. Umso mehr, als nicht das Rauchen verboten werden soll - zu Recht, denn Drogenverbote bringen nichts -, sondern die Schädigung Dritter. Dabei kann von einem landesweiten Schutz, den sich die grosse Mehrheit der Bevölkerung schon lange wünscht, keine Rede sein. Noch immer wehrt sich der Branchenverband Gastrosuisse erbittert gegen vorgeschriebene Nichtraucherzonen, noch immer kämpft die Werbeindustrie gegen die Einschränkung der Tabakwerbung, noch immer lobbyiert die Tabakindustrie mit Feuer für ihren starken Stoff. Und noch immer versuchen bürgerliche Parlamentarier, wirksame Massnahmen zu hintertreiben.

Offensichtlich mit Erfolg. Bis heute tut sich die Schweiz mit Rauchverboten sehr schwer, bis heute wird schnell einmal beschimpft, wer solche Verbote einfordert - als Puritaner, der seine eigene Freudlosigkeit zum Prinzip erhebt. Das Rauchverbot wird zur Chiffre, hinter der sich angeblich Wirtschaftsfeindlichkeit und Intoleranz verbergen.

Diese Argumente, und sie sind immer noch häufig zu hören, belegen vornehmlich eines: wie erfolgreich die Werbebotschaften der Tabakindustrie in die Köpfe eingedrungen sind. Nur so lässt sich erklären, dass das Versprechen von Weltläufigkeit und Lebensfreude mit einer Substanz assoziiert wird, die jeden zweiten ihrer Konsumenten umbringt. Sich dagegen zu wehren, ist keine Bevormundung, sondern das genaue Gegenteil: die Befreiung von einer Bevormundung, die Züge einer Gehirnwäsche trägt.

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