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Tabakwerbung: Der Ball liegt beim Gericht

Artikel im Beobachter vom 6.1.2005

Quelle: www.beobachter.ch

Text: Thomas Grether

Die Stiftung Pro Aere klagt die Swiss Indoors und Davidoff ein – wegen verbotener Werbung mit Kindern. Andere Sportanlässe verzichten längst auf Tabakwerbung.

Am Tennisturnier Swiss Indoors werden nicht nur Bälle übers Netz gedroschen. Auch in rechtlichen Fragen geht es hin und her. Das vom Tabakmulti Davidoff gesponserte Turnier steht unter Druck, denn der Kanton Baselland will Tabakwerbung in öffentlichen Gebäuden verbieten. So sieht es der Entwurf für ein neues Alkohol- und Tabakgesetz vor. Da die Turnierhalle auf Baselbieter Boden steht, würde dies das Ende des millionenschweren Davidoff-Sponsorings bedeuten.

Eine Sonderlösung für Basel

Doch Vertreter der Tabakindustrie sowie der SVP intervenierten dagegen in der Vernehmlassung – mit Erfolg. Im überarbeiteten Gesetzesentwurf, der Ende Dezember vorlag, findet sich plötzlich folgende Ausnahmeregelung: «Vom Werbeverbot ausgenommen sind Veranstaltungen, welche in ihren Namenszügen einen Bezug zu Alkohol- oder Tabakprodukten aufweisen.»

Eine Hommage an Turnierdirektor Roger Brennwald, sagen die Kritiker. Man habe für die Swiss Indoors eine Extrawurst gebraten. «Das Turnier macht vor allem Werbung für den Tennissport. Es war nicht die Absicht, einen Traditionsanlass mit grosser Wertschöpfung sterben zu lassen», relativiert der Baselbieter Kantonsarzt Dominik Schorr. In Kürze befindet der Baselbieter Regierungsrat darüber.

Jetzt droht dem Traditionsanlass auch von anderer Seite Ungemach. Pro Aere, die Stiftung für Tabakprävention, reicht gegen die Verantwortlichen des Turniers Strafklage ein – wegen «Verdachts auf wiederholte verbotene Werbung für Tabakerzeugnisse».

Die Stiftung hat mit ihrer Klage die 12- bis 16-jährigen Ballkinder des Tennisturniers im Auge. Die Kids tragen Leibchen mit dem Schriftzug des Basler Zigarren- und Zigarettenherstellers und halten damit als Werbeträger für Davidoff her. Nach getaner Arbeit können sie die Leibchen gratis mit nach Hause nehmen. Genau hier will Jürg Hurter von Pro Aere rechtlich ansetzen: «Die eidgenössische Tabakverordnung untersagt Werbung mit Gegenständen, die unentgeltlich an Jugendliche abgegeben werden.»

Jürg Hurter findet es «schamlos und dreist», dass die Swiss Indoors Kinder als Werbesäulen missbrauchen. Eine Tabakwerbung, die sich ganz speziell an Jugendliche richte und diese damit zum Tabakgenuss veranlasse, sei klar verboten. Hurter: «Unter diesen Umständen ist es höchst fragwürdig, Werbung auf den Leibchen der Kinder zu dulden.»

Davidoff-Direktor Reto Cina will davon nichts wissen. «Die Leibchenwerbung der Ballkinder ist nicht verboten. Es handelt sich nicht um einen Anlass, der sich speziell an Jugendliche richtet.»

In der Eigenwerbung klingt das aber ganz anders. Da zielt das Turnier darauf ab, «die Jugend (…) für den Tennissport zu begeistern und zu gewinnen». Zudem arbeiten die Swiss Indoors mit dem Freizeitpass Colour Key zusammen, der Jugendlichen einen vergünstigten Eintritt ans Turnier ermöglicht. Auch sonst hat man für den Nachwuchs einige tolle Angebote. «Die Juniorenmeister können einen Tag lang mit den Stars trainieren», sagt Reto Cina und wiegelt ab: «Aber ohne mit Tabak konfrontiert zu werden.»

Jugendliche werden eingenebelt

So oder so. Die Marketingstrategie des Zigarrenmultis scheint jedenfalls aufzugehen: Weil das Turnier vom Schweizer Fernsehen und von Eurosport ausgestrahlt wird, erreicht der Hauptsponsor ein Millionenpublikum. «Für uns ist es eine unglaublich gute Gelegenheit, die Marke Davidoff in die Welt hinauszutragen», sagte Direktor Reto Cina in einem Interview mit der «Basler Zeitung».

Laut dem Lungenarzt Karl Klingler von der Zürcher Hirslanden-Klinik vermitteln die Swiss Indoors den Eindruck, Rauchen sei sportlich und somit gesund. «Gerade bei Jugendlichen, die ihren Stars nacheifern, ist dies eine verheerende Botschaft», sagt Klingler, der täglich krebskranke Raucher behandelt.

Andere Veranstalter sind rigoroser

Turnierdirektor Roger Brennwald betont einen feinen Unterschied: «Zigarren haben mit Zigaretten wenig zu tun. Es ist wohl noch kein Jugendlicher wegen des Sponsorings durch Davidoff süchtig geworden.» Damit unterschlägt Brennwald freilich, dass Davidoff sehr wohl auch eine Zigarettenmarke ist.

Andere Sportveranstaltungen wie etwa das Leichtathletik-Meeting «Weltklasse in Zürich» verbannen das Suchtmittel konsequent von ihren Werbeflächen. Die Statuten des Internationalen Leichtathletikverbands verbieten Tabakwerbung explizit. «Spitzensport verträgt sich nicht mit Zigaretten. Unsere Glaubwürdigkeit würde leiden», sagt Hansjörg Wirz, Direktor von «Weltklasse in Zürich».

Im Fussball verbietet ein Reglement der Swiss Football League die Leibchenwerbung für Tabak. «Das Gesetz untersagt zudem Bandenwerbung, da Fussball von vielen Jugendlichen geschaut wird», sagt Peter Gilliéron vom Schweizerischen Fussballverband.

Am Zürcher Frauentennis-Turnier «Swisscom Challenge» schliesslich wäre Tabaksponsoring erlaubt. «Wir suchten bis anhin nicht aktiv nach solchen Sponsoren», erklärt Turnierdirektor Beat Ritschard. Doch schon am nächsten Turnier will er Raucherzonen einrichten und diese vermarkten. Ein Rauchzeichen, das die Tabaklobby bestimmt gerne als Einladung versteht.

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