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Wirte im Dienst der Tabaklobby

Sendung im Kassensturz vom 8.3.2005

Quelle: www.kassensturz.sfdrs.ch

Vertrauliche Dokumente beweisen, wie Wirte jahrelang mit der Tabakindustrie gemeinsame Sache machten. Unter dem Deckmantel einer Kampagne für mehr Toleranz verharmlosten sie die Gefahren des Rauchens.

Ende der neunziger Jahre startete der Verband Gastrosuisse die Kampagne «Toleranz und Lebensfreude». Gratis konnten Hotels und Restaurants bei ihm Broschüren beziehen. Statt das Rauchen zu verbieten wurde um Toleranz geworben. Hinter der Kampagne steckt die finanzstarke internationale Zigarettenidustrie. Sie will drohende Rauchverbote an öffentlichen Orten verhindern. Dass die Zigarettenmultis dafür Gastrobetriebe einspannte, kommt nicht von ungefähr: «Viel vom sozialen Leben spielt sich in den Gastrobetrieben ab, also liegt es nahe, dass sich die Zigarettenidustrie auf diese konzentriert. Also haben sie sich hinter die Verbände der Gastronomen geklemmt und denen weisgemacht, dass es den sofortigen Bankrott aller Hotels, Restaurants und Bars zur Folge hätte, würde man die rauchfrei führen», sagt Jürg Hurter, Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Tabakprävention.

Zahlreiche Dokumente zeigen auf, wie Gastrosuisse von internationalen Konzernen gezielt eingespannt wurde. Ein Kassensturz vorliegendes Dokument des Zigarettenherstellers Philip Morris verdeutlicht die Strategie dahinter: Das sogenannte «Whitecoat-Projekt», zu deutsch Projekt weisse Weste, wollte die Stimmung für Rauchverbote kippen. Ziele waren unter anderem: «Widerstand und Aufhebung bereits eingeführter Raucher-Restriktionen» und «soziale Akzeptanz des Rauchens wiederherstellen.»

Schweizer Wirte und Hoteliers haben mit ihrer Kampagne «Toleranz und Lebensfreude» tatkräftig mitgeholfen, diese Strategie umzusetzen. Gastrosuisse schreibt auf Anfrage: «Gastrosuisse allein hätte die Kampagne nicht durchführen können und war auf einen Partner angewiesen, der sich an den Kosten beteiligt. Es war von Beginn weg klar, dass die Tabakindustrie keinen direkten Einfluss auf den Inhalt der Kampagne haben würde.» Doch Dokumente belegen, dass Philip Morris die Situation ganz anders beurteilt hat: Der Zigarettenhersteller bezeichnet die Kampagne als direkte Kooperation. Ähnliche Kampagnen wie in der Schweiz wurden weltweit durchgeführt, sogar mit ähnlichen Logos. Wie viel Geld die Zigarettenidustrie für ihr Engagement in die Gastrosuisse-Kampagne hat fliessen lassen, bleibt unbekannt. Der Verband der Zigarettenindustrie «Swiss Cigarette» schreibt, die Gastrosuisse habe nun ein «operatives Instrument», über dessen weitere Verwendung sie branchenintern entscheiden könne.

Seit Ende 2003 erhalten die Schweizer Gastroverbände kein Geld mehr. Die Kampagne lief trotzdem weiter. Bis letzten Donnerstag war die Homepage Toleranz-Lebensfreude.ch noch aktiv. Philip Morris legt wert auf die Feststellung, dass sich die Dokumente auf eine frühere Unternehmensstrategie bezieht. Heute würde das Unternehmen auf die Gefahren des Passivrauchens aufmerksam machen.

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