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Die Schweiz wird rauchfrei

Artikel in der Berner Zeitung vom 29.4.2005

Quelle: www.espace.ch

Auch in der Schweiz soll das Rauchen in öffentlichen Räumen verboten werden. Dies beschloss die Gesundheitskommission des Nationalrats. Zum Erstaunen der Kommis-sion plädierte Philip Morris für ein solches Verbot.

Mit 16 zu 6 Stimmen stimmte die Gesundheitskommission der parlamentarischen Initiative von Felix Gutzwiller (FDP, ZH) zu. Ziel ist ein umfassender Nichtraucherschutz. Diese sollen in allen öffentlich zugänglichen Räumen, am Arbeitsplatz, in Restaurants und Zügen vom Tabakqualm verschont werden. Gutzwiller verweist auf bis zu 400 Todesfälle pro Jahr, die in der Schweiz durch das unfreiwillige Einatmen von Rauch verursacht werden. 75 Prozent der Schweizer Bevölkerung seien Nichtraucher. Gegen die Initiative stimmte in der Kommission nur die SVP.

Das klare Votum der Gesundheitskommission zeigt, dass sich auch in der Schweiz eine politische Mehrheit auf einen zeitgemässen Nichtraucherschutz besinnt. Andere europäische Länder haben die Schweiz mit Rauchverboten in Restaurants, Zügen und Bahnhöfen längst überholt.

Für Irritation sorgte in der Kommission ein Brief des Tabakmultis Philip Morris. Der Ableger des Konzerns in der Schweiz bat die Nationalräte, der Initiative Gutzwiller zuzustimmen. Es sei eine Tatsache, dass der Tabakkonsum in der Schweiz rückläufig sei. Klare Regeln dienten der Gesundheitspolitik und ermöglichten Philip Morris, «auch in der Zukunft erfolgreich unser Geschäft zu betreiben».

Markus Brotschi:

Dieser Schritt ist längst fällig

Zu Beginn eine Klarstellung: Das Rauchen wird in der Schweiz nicht verboten. Die Nationalratskommission will nur jene Mehrheit schützen, die nicht rauchen will. Heute sind in der Schweiz immer noch Zehntausende zum Passivrauchen verdammt. Sie werden zugequalmt in Pausenräumen, im Büro oder Restaurant und müssen die schwer schädigenden Substanzen inhalieren. Einige zahlen den Tabakgenuss der anderen gar mit dem Tod. Selbstredend, dass dieser Zustand unhaltbar ist.

Deshalb zielt der Appell des Gastgewerbes zur gegenseitigen Toleranz daneben. Noch unbefriedigender ist die Lage für Angestellte. Zwar gibt es ein Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz, und viele Firmen haben gehandelt. Wo das aber nicht der Fall ist, muss der Arbeitnehmer nach heutigem Recht selbst aktiv werden und macht sich bei Chefs und Arbeitskollegen höchst unbeliebt. Wer im Gastgewerbe arbeitet oder Billette in verrauchten Zugsabteilen kontrollieren muss, der hat das Gesetz sogar gegen sich.

Viel zu lange hat sich die Schweizer Politik von der Tabakindustrie einnebeln lassen. Im Ausland sind Konzerne wie Philip Morris viel drastischere Gesetze gewohnt und kämpfen gegen Milliardenklagen. Deshalb bietet Philip Morris zum vergleichsweise milden Schweizer Regime gerne Hand, um für die Branche Schlimmeres zu verhindern.

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