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Rauchfreie Arbeitplätze bringen Vorteile

Wer sich am Arbeitsplatz durch Tabakrauch belästigt fühlt, soll auf sein Recht auf rauchfreie Atemluft pochen, sagt Jürg Hurter, Präsident der Stiftung pro aere. Er erläutert, wie weit die Rechte und Pflichten des Arbeitgebers gehen.

 
 

Jürg Hurter, wird am Arbeitsplatz oft ums Rauchen gestritten?
Jürg Hurter: Auseinandersetzungen, die sich um den Tabakrauch drehen, sind immer noch recht. Dank Umfragen des Bundesamts für Gesundheit wissen wir, dass die Hälfte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zum Passivrauchen gezwungen wird. Unsere Stiftung, die sich für das Recht auf rauchfreie Atemluft einsetzt, bearbeitet jährlich ein paar hundert solcher Fälle.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?
Ein ganz penibler Fall hat eine Schule im Kanton Zürich betroffen. Eine Lehrerin wird massiv gemobbt, weil sie sich für ein rauchfreies Lehrerzimmer einsetzt. Die Schulleitung schliesst sie praktisch aus dem Lehrerzimmer aus und weist ihr ein muffiges Separat-Kämmerchen zu, in dem sie «ungestört» sei. Wir haben uns der Sache angenommen und die Sache juristisch ausgefochten. Es ist erstaunlich: Ein Lehrerkollegium, potenzielle Vorbilder, will eine Kollegin zum Passivrauchen oder zum Kündigen zwingen. Und die Schulleitung duldet dies. Stellen Sie sich den Lärm vor, wenn die Schule nichts gegen einen Kollegen unternähme, der der Praktikantin an den Hintern fasst! Die Sache gipfelt darin, dass die Schulpflegepräsidentin, die als Suchttherapeutin arbeitet, vor dem Lehrerkonvent sagte, sie finde das eine unnötige Diskussion und es wäre wohl besser, die Lehrerin würde kündigen.

Ist denn die Rechtslage eindeutig?
Damals wie heute: ja. Heute ist die Rechtslage nicht nur eindeutig, sie sich auch einfacher durchzusetzen. Das neue Gesetz zum Schutz vor Passivrauchen garantiert einen rauchfreien Arbeitsplatz. Wenn also jemand so unvernünftig ist, auf Streit zu bestehen, gewinnen wir solche Auseinandersetzungen.

Das wird der Lehrerin wenig helfen haben...
Das Klima war tatsächlich wegen der führungsschwachen Leitung derart gestört, dass es für die Lehrerin sehr schwierig wurde. Meist liegt es auch in privaten Unternehmen an schwacher Führung. Dennoch: Die Auseinandersetzungen haben auch dem breiten Publikum bewusst gemacht, welche Rechte Arbeitnehmer in dieser Sache haben und wie weit die Pflichten der Arbeitgeber gehen. Seit 1. Mai 2010 ist die Rechtslage nun noch klarer. Das Unternehmen muss seine Mitarbeiter vor Tabakrauch schützen - ohne Wenn und Aber.

Gibt es nicht auch andere Möglichkeiten als ein komplettes Verbot?
In abgetrennten, separat belüfteten Rauchräumen darf weiter geraucht werden, wenn diese nicht als Arbeitsplatz dienen. Eine einzige Zigarette verseucht 19 000 Kubikmeter Luft. Der Rauch, den Passivraucher einatmen, ist wesentlich schädlicher als jener, den Raucher inhalieren. In der Schweiz stirbt jeden Tagen Nichtraucher am Passivrauchen. Man hat also gute Gründe, sich konsequent für rauchfreie Luft einzusetzen. Körperliche Unversehrtheit ist eindeutig höher zu gewichten als der Anspruch einer Minderheit, jederzeit und überall zu rauchen.

Warum hat es der Nichtraucherschutz in der Schweiz so schwer gehabt?
Weil die Tabakindustrie zusammen mit der Gastroindustrie und dem Gewerbeverband jahrelang alle Register gegen einen vernünftiten Schutz der Bevölkerung gezogen hat - und weil sie dabei willfährige Helfer im Parlament gefunden haben.

Weshalb das?
Die Tabakindustrie hat die Vorstellung in Panik versetzt, die Zigarette könnte aus der Öffentlichkeit verschwinden und damit den Eindruck des Allgegenwärtig-Normalen verlieren. Die Tabakindustrie hat immer auf Eindruck gebaut, um ihre Konsumenten anzufixen und süchtig zu machen. Man weiss ja, dass zum Beispiel die Zigarettenindustrie dem Wirteverband GastroSuisse Kampagnen finanziert und Wissenschaftler bezahlt hat, damit sie Studien manipulieren, die belegen sollen, Passivrauchen sei ungefährlich...

Sie sehen also keinen Kampf zwischen Rauchern und Nichtrauchern, sondern...
Wer vom grossen Streit zwischen Rauchern und Nichtrauchern spricht oder gar den dummen Begriff Krieg benützt, sieht den Kern der Sache nicht: Wenn schon, geht es hier um einen Krieg der Tabak- und der Gastroindustrie gegen die Bevölkerung. Fast die Hälfte der weniger als zwei Millionen Rauchenden in der Schweiz will sich vom Rauchen befreien, und die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung stört sich massiv am Passivrauchen: 88 % sind Passivrauch ausgesetzt!

Was empfehlen Sie denn Arbeitgebern und Arbeitnehmern?
Dem Arbeitgeber empfehle ich das rauchfreie Unternehmen: Alle wirtschaftlichen Gründe und der gesunde Menschenverstand sprechen dafür. Dem Arbeitnehmer empfehle ich, sich für sein Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz gemäss dem neuen Gesetz einzusetzen. Ein vernünftiger Arbeitgeber wird diese Forderung sofort erfüllen.
 
 
 

Gönner der pro aere haben Anrecht
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